Am vergangenen Samstag hatten wir die Mitglieder unseres Stadtrates sowie unseren Bürgermeister zu einer Begehung des Thiels eingeladen. Der Thiel ist die Erhebung, die inmitten des vom Zweckverband favorisierten Gebiets für einen dritten Bauabschnitt des interkommunalen Gewerbegebiets liegt. Und trotz des wirklich schlechten Wetters waren der halbe Stadtrat mit VertreterInnen aus allen Fraktionen und Bürgermeister Keller unserer Einladung gefolgt. Insgesamt versammelten sind bei Abke an der Ostbarthauser Straße 60 Menschen, die das Thema interessierte. Darunter als Überraschungsgast der Bürgermeister von Versmold.

Bei Abke gab es zunächst eine kurze Einführung in das Thema und danach Äußerungen von betroffenen Landwirten und Anwohnern. Hier wurde zum Beispiel beklagt, dass allein schon die Drohung eines kommenden Industriegebiets den Wert der Anliegerhäuser drastisch verringert habe. Die Landwirte Vahrenbrink, Brune und Temme stellten ihre Betriebe vor und verwiesen auf die Notwendigkeit hofnahe Flächen nutzen zu können. Bevor die Diskussion dann zu heiß werden konnte, startete die Führung über den Thiel. Leider begann in diesem Moment ein sehr heftiger Regen, der wohl keinen völlig trocken ließ und etlichen Regenschirmen das Leben kostete. Angesichts dieser Naturgewalten verkürzten wir die geplante Route auf das Minimum, konnten dann aber doch eine Regenpause nutzen um etwas zum Thiel an sich zu sagen:

Friedrich-Wilhelm Temme berichtete, dass der Thiel früher immer als die höchste Erhebung vor dem Beginn des Münsterlandes gegolten habe. Auf so einer Erhebung ein Industriegebiet mit entsprechend hoher Bebauung errichten zu wollen, erscheint höchst unlogisch, zumindest wenn man vor hat den Anforderungen des Emissionschutzes zu genügen, und das Landschaftsbild nicht völlig von industrieller Bebauung dominieren zu lassen. Diplombiologin Stefanie Brune konnte einiges zum Artenreichtum am Thiel berichten, insbesondere in der dortigen Ausgleichsfläche.

Danach gab es aber für die durchgefrorene Gruppe erst einmal Kaffee und Kuchen auf der anderen Seite des Thiels, an der Grenze zum zweiten Bauabschnitt des interkommunalen Industriegebiets. Unter diesem zweiten Abschnitt soll übrigens die Thielheide verschwinden – die früher sumpfigen Niederungen im Schatten des Thiels. Trotz der Unbilden des Wetters war die Stimmung gut und viele Ratsmitglieder und BürgerInnen nutzten die Gelegenheit zum Austausch.
Vor dem Rückweg zum Ausgangspunkt verteilten wir ein Handout (PDF), welches noch einmal unsere Kritik am Vorhaben einen dritten Abschnitt des interkommunalen Industriegebiete errichten zu wollen im Allgemeinen und die Auswahl des Thiels als Standort im Speziellen zusammenfasste. Ein wichtiges Thema ist in diesem Zusammenhang der bundesweite Flächenverbrauch, durch den immer mehr landwirtschaftlich nutzbare Fläche überbaut wird und damit dauerhaft verloren geht. Der Bauernverband hatte zu diesem Thema im November 2011 eine repräsentative Umfrage durchführen lassen, deren Ergebnis (hier abrufbar) sich so zusammenfassen lässt, dass die Mehrheit der Deutschen landwirtschaftliche Flächen vor Versiegelung und Bebauung schützen will. Die Ausweisung von immer neuen Industriegebieten ist also ein Vorgehen, welches ganz generell in der Bevölkerung keine Rückhalt findet.

Aus unserer Sicht war es eine positive Veranstaltung mit viel genutzter Gelegenheit zur Kommunikation zwischen Bürgern und Politik. Unsere Ratsmitglieder haben die Gelegenheit genutzt um sich den Thiel, der sich in den Planungsunterlagen des Zweckverbands nur als kleine schraffierte Kartenfläche mit aussagelosen Bebilderungen darstellt, einmal in Ruhe anzusehen. Wir hoffen den Dialog in den kommenden Monaten fortsetzen zu können, damit auch in Zukunft der Blick auf die Ravensburg noch über den Gipfel des Thiel erfolgen kann, und nicht durch die Schluchten von Industriekomplexen.