Mikroplastik – Noch ein Grund den Müll aus der Landschaft zu sammeln

Immer noch haben wir die Corona-Einschränkungen, die auch die Frühjahrsmüllsammelaktion schwerer gemacht haben. Trotzdem hatten wir am Ende wieder eine ziemlich ‚Ausbeute‘, und das obwohl wir nur mit einer kleinen Gruppe unterwegs waren und kurz vorher (vermutlich) der Landesbetrieb die Gräben an der B476 hatte reinigen lassen:

Müllsäcke von der Müllsammelaktion im März 2021

Und manche*r denkt offenbar wenn etwas aus Papier und Holz ist, dann ist es OK es aus dem Fenster zu werfen, auch wenn es dann wie dieser McFlurry Becher mitten in einer Wiese landet und mit der Grasernte im Futter für die Kühe gelandet wäre:

Müllsack von der Müllsammelaktion im März 2021 mit McFlurry Becher

Nun ist sind die Straßen wieder – für den Moment – schön aufgeräumt und der Frühling kann kommen. Aber das gute Gefühl für einen sauberen Anblick gesorgt zu haben ist nur eine Motivation dazu sich hunderte von Malen zu bücken und die Abfälle von anderen einzusammeln:

Mikroplastik – hemmt das Pflanzenwachstum 😬

Beim Müllsammeln stößt man unweigerlich auf Plastikmüll, der schon sehr zerfallen ist, oder von Anfang an sehr klein war. Z. B. der zwar seltener gewordene, aber immer noch zu findende Inhalt eines am Straßenrand ausgeschütteten Autoaschenbechers. Aber wenn man seine Sammelstrecke in wenigen Stunden schaffen will kann man nicht jedes Fitzelchen mitnehmen, was auch schwierig ist wenn die Pflanzenwurzeln es bereits durchzogen haben.

Aber ist das überhaupt schlimm? Irgendwann ist der Müll so klein geworden, dass man ihn nicht mehr ohne weiteres sieht und gibt es nicht den Spruch ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘? Leider ist das nicht so, denn verschwunden ist das Plastik ja nicht, es wird hingegen unweigerlich zu Mikroplastik und davon hat man in den letzten Jahren immer häufiger gehört.

Man kann dabei unterscheiden zwischen Mikroplastik, welches von den Herstellern bewusst etwa in Kosmetikprodukten verwendet wird und bei der Nutzung schon in winziger Form in die Umwelt gerät. Hier kann man als Verbraucher*in immerhin entscheiden nur Produkte zu verwenden, die ohne solche Partikel auskommen.

Stückchen Plastik zwischen Pflastersteinen

Dann gibt es aber noch das Mikroplastik, welches ursprünglich mal kein Mikroplastik war. Sondern vielleicht mal ein Coffee-to-go Becher am Straßenrand, der durch Sonne und Wetter nach und nach in kleinere Teile zerfällt, sich aber erst nach sehr langer Zeit – vielleicht erst nach mehr als 100 Jahren! – komplett aufgelöst haben wird.

Aber was macht das Mikroplastik eigentlich im Boden? Hier gibt eine aktuelle Forschungsarbeit der Uni Rostock einen ersten Eindruck, was uns bevorstehen könnte: Auf mit Mikroplastik versetzten Böden kann Weidelgras – eine häufig für die Futtergewinnung eingesetzte Grasart – nicht mehr so gut keimen und die Auswirkungen waren um so größer, je kleiner die Partikel wurden. Der unsichtbare Müll könnte also deutlich spürbare – negative – Effekte darauf haben wie viele Lebensmittel wir von unseren Äckern ernten können. Zumindest den Äckern, die bis dahin nicht überbaut worden sind von Straßen, Industrie oder Siedlungen.

Es gibt heute kein in großem Umfang einsetzbares Mittel, mit dem sich einmal in die Böden gelangtes Mikroplastik daraus wieder entfernen ließe. Das einzige Mittel ist es dafür zu sorgen, dass Mikroplastik gar nicht erst entsteht! Also seinen Müll nicht in die Landschaft zu werfen. Und ggf. den Müll anderer einzusammeln.

Damit bewirkt man offenbar noch viel mehr als ’nur‘ für eine aufgeräumte Landschaft zu sorgen, man schützt auch unsere Böden davor nach und nach ihre Ertragskraft zu verlieren.