Am vergangenen Samstag haben wir eine Pflanzaktion auf dem Thiel vorläufig abgeschlossen, die schon im letzten Frühjahr begann: In Zusammenarbeit mit der Stadt Borgholzhausen durften wir an der Ostbarthauser Straße 17 Birnbäume auf dem Grund des Bio-Hofs Hohnhorst/Kutz pflanzen. Dabei wurden ganz unterschiedliche Sorten gesetzt mit interessanten Namen wie ‘Pitmaston’, ‘Pastorenbirne’, ‘Madame Verte’ oder ‘Nordhäuser Winterforelle’:
Schon im vergangenen Frühjahr hat der erste Teil der Pflanzaktion stattgefunden: Dabei wurde eine Weidenreihe an einem wieder ausgehobenen Graben am Thiel gesetzt, die inzwischen schon kräftig ausgetrieben hat:
Und auf drei Wirtschaftswegen wurde an Stellen, die für die Nutzung der daran liegenden Äcker nicht mehr benötigt werden, eine bunte Mischung von Gehölzen gepflanzt, die die Landschaft bereichern und den Wildtieren Deckung und Nahrung geben werden:
Leider begann im letzten Jahr fast direkt nach der Pflanzung die lange Trockenheit und trotz Bewässung hat es ein Teil der Sträucher nicht geschafft. Da werden wir dann im Herbst noch einmal ran müssen.
Immer noch haben wir die Corona-Einschränkungen, die auch die Frühjahrsmüllsammelaktion schwerer gemacht haben. Trotzdem hatten wir am Ende wieder eine ziemlich ‚Ausbeute‘, und das obwohl wir nur mit einer kleinen Gruppe unterwegs waren und kurz vorher (vermutlich) der Landesbetrieb die Gräben an der B476 hatte reinigen lassen:
Und manche*r denkt offenbar wenn etwas aus Papier und Holz ist, dann ist es OK es aus dem Fenster zu werfen, auch wenn es dann wie dieser McFlurry Becher mitten in einer Wiese landet und mit der Grasernte im Futter für die Kühe gelandet wäre:
Nun ist sind die Straßen wieder – für den Moment – schön aufgeräumt und der Frühling kann kommen. Aber das gute Gefühl für einen sauberen Anblick gesorgt zu haben ist nur eine Motivation dazu sich hunderte von Malen zu bücken und die Abfälle von anderen einzusammeln:
Mikroplastik – hemmt das Pflanzenwachstum 😬
Beim Müllsammeln stößt man unweigerlich auf Plastikmüll, der schon sehr zerfallen ist, oder von Anfang an sehr klein war. Z. B. der zwar seltener gewordene, aber immer noch zu findende Inhalt eines am Straßenrand ausgeschütteten Autoaschenbechers. Aber wenn man seine Sammelstrecke in wenigen Stunden schaffen will kann man nicht jedes Fitzelchen mitnehmen, was auch schwierig ist wenn die Pflanzenwurzeln es bereits durchzogen haben.
Aber ist das überhaupt schlimm? Irgendwann ist der Müll so klein geworden, dass man ihn nicht mehr ohne weiteres sieht und gibt es nicht den Spruch ‚Aus den Augen, aus dem Sinn‘? Leider ist das nicht so, denn verschwunden ist das Plastik ja nicht, es wird hingegen unweigerlich zu Mikroplastik und davon hat man in den letzten Jahren immer häufiger gehört.
Man kann dabei unterscheiden zwischen Mikroplastik, welches von den Herstellern bewusst etwa in Kosmetikprodukten verwendet wird und bei der Nutzung schon in winziger Form in die Umwelt gerät. Hier kann man als Verbraucher*in immerhin entscheiden nur Produkte zu verwenden, die ohne solche Partikel auskommen.
Dann gibt es aber noch das Mikroplastik, welches ursprünglich mal kein Mikroplastik war. Sondern vielleicht mal ein Coffee-to-go Becher am Straßenrand, der durch Sonne und Wetter nach und nach in kleinere Teile zerfällt, sich aber erst nach sehr langer Zeit – vielleicht erst nach mehr als 100 Jahren! – komplett aufgelöst haben wird.
Aber was macht das Mikroplastik eigentlich im Boden? Hier gibt eine aktuelle Forschungsarbeit der Uni Rostock einen ersten Eindruck, was uns bevorstehen könnte: Auf mit Mikroplastik versetzten Böden kann Weidelgras – eine häufig für die Futtergewinnung eingesetzte Grasart – nicht mehr so gut keimen und die Auswirkungen waren um so größer, je kleiner die Partikel wurden. Der unsichtbare Müll könnte also deutlich spürbare – negative – Effekte darauf haben wie viele Lebensmittel wir von unseren Äckern ernten können. Zumindest den Äckern, die bis dahin nicht überbaut worden sind von Straßen, Industrie oder Siedlungen.
Es gibt heute kein in großem Umfang einsetzbares Mittel, mit dem sich einmal in die Böden gelangtes Mikroplastik daraus wieder entfernen ließe. Das einzige Mittel ist es dafür zu sorgen, dass Mikroplastik gar nicht erst entsteht! Also seinen Müll nicht in die Landschaft zu werfen. Und ggf. den Müll anderer einzusammeln.
Damit bewirkt man offenbar noch viel mehr als ’nur‘ für eine aufgeräumte Landschaft zu sorgen, man schützt auch unsere Böden davor nach und nach ihre Ertragskraft zu verlieren.
Über den Regionalplan konnte man in den letzten Wochen oft in der Zeitung lesen, denn kaum eine Kommune ist derart gegen ihren Wunsch mit potentiellen Industriefläche‚gesegnet‘ worden wie Borgholzhausen. Die Planer*innen im fernen Detmold sehen hier offenbar nur Lücken zwischen Industrieflächen, die dringend geschlossen gehören. Was sollte man auch sonst mit einer offenen Landschaft anfangen?
Dieser Brief von Anwohner*innen der Ostbarthauser Straße, der Oldendorfer Straße, der Thielheide der Osnabrücker Straße und den MITbürgern ist daher rechtzeitig vor Ende der Einwendungsfrist in Detmold eingegangen, zusammen mit den Unterschriften von mehr als 60 Unterzeichner*innen:
An die Bezirksregierung Detmold Dezernat 32 – Regionalentwicklung –
Leopoldstr. 15 32756 Detmold
Borgholzhausen, 25. März 2021
Stellungnahme zum Regionalplan der Bezirksregierung Detmold
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Interesse haben wir Ihren Regionalplan-Entwurf für die Gemeinde Borgholzhausen zur Kenntnis genommen. Als Anwohner des Bereichs Borgholzhausen-Bahnhof sind wir seit dem Lückenschluss der A33 mit weitreichenden Veränderungen vor Ort befasst. Die Autobahn-Anschlussstelle Borgholzhausen sowie das interkommunale Gewerbegebiet Borgholzhausen-Versmold haben Chancen und Risiken befördert. Veränderungen sind der Alltag und sollen im Dialog mit den Anwohnern entschieden werden. Nachdem es aktuell in Borgholzhausen nicht an ausgewiesenen Gewerbeflächen mangelt, steht Ihr Regionalplan-Entwurf womöglich noch nicht im Zentrum von Diskussionen. Dennoch möchten wir es nicht versäumen schon frühzeitig unsere Forderung nach einer kreativen und bürgerfreundlichen Vision für den Bereich Borgholzhausen-Bahnhof zu manifestieren.
Ein Ansatz, der lediglich eine riesige Gewerbefläche skizziert, erscheint auf den ersten Blick, grob gesagt, weder zeitgemäß noch besonders phantasievoll. Sicherlich müssen sich Städte und Kommunen immer einer Vielzahl von Herausforderungen stellen. Beispielsweise scheint das Ideenpaar von „Ballungszentren und Pendlerströme gen Arbeitsplatz“ nicht mehr alternativlos. Wie sollten also Bebauungspläne der Zukunft aussehen? Welche Nutzung ist vor Ort nicht nur nötig, sondern auch sinnvoll? Sind landwirtschaftliche Flächen, die die Ernährungsgrundlage aller Bewohner sicherstellen, langfristig vorrangig schützenswert? Welche alternativen Modelle können Sie vorschlagen? Ist es von Interesse, der nächsten Generation, die sich in ländlichen Regionen – wie an der Ostbarthauser Straße– niederlässt oder bereits in der x-ten Generation vor Ort wohnt/lebt/arbeitet, ein städtebauliches Angebot zu machen, das Bildungs- und Freizeitangebote vor Ort integriert?
Wenn sich Klima und sein unaufhaltsamer Wandel sukzessive in den Fokus drängen, müssen Mobilitätskonzepte überdacht werden. Ist die glanzlose Lösung von Stadt contra Land noch aktuell? Sind Gewerbeparks an Autobahnen zeitgemäß? Und wo bleiben die Anliegen und Bedürfnisse der Anwohner, die vor der Anbindung ans Autobahnnetz bereits eine gutes Niveau an Lebensqualität hatten? Sollen Gewerbehallen sowohl die Landschaft als auch die Häuser der Anwohner überstrahlen? Ist das der stillschweigende wie unrühmliche Wettbewerb deutscher Autobahn-Anschlussstellen? Wir möchten Sie auffordern, Ihre bisher leider einseitige Vision unserer Wohngegend zu überdenken und auch unter Berücksichtigung der vielschichtigen Ressourcen und Bedürfnisse der Menschen vor Ort (Beruf – Bildung – Freizeit – Agrarkultur – Fauna und Flora) neu auszubalancieren.
Hierzu im folgenden konkrete Vorschläge und Anmerkungen:
Die als Industrie- und Gewerbegebiet eingeplante Fläche auf dem Thiel (IBV.S1) sowie der angrenzenden Flächen nach erneuter Prüfung ersatzlos streichen und als Acker- sowie Grünland ausweisen (Regionalplanentwurf: Bezeichnung GIB 009 und GIB 008).
Neben den oben genannten Gründen spricht hier insbesondere die Topographie gegen eine Bebauung. Der Thiel erhebt sich als signifikanter Hügel aus der Umgebung. Er stellt die höchste Erhebung zwischen dem Teutoburger Wald und Münster dar. Wir sehen kein schlüssiges Argument, ein Industriegebiet auf den einzigen Hügel in einer ansonsten flachen Umgebung zu setzen und halten es folglich für einen Entwurfsfehler, der bei einer Begehung vor Ort aufgefallen wäre. Nicht nur der Wertverlust angrenzender Immobilien und Grundstücke wäre beklagenswert, die Bebauung selbst wäre allein aus Gründen des Landschaftsbildes ein städtebaulicher Offenbarungseid – und für das Marketing dieser Region am Teutoburger Wald katastrophal (Kulturlandschaftsbereiche – Fachsicht Landschaftskultur: K 6.19 und K 6.20).
Ein zweiter Aspekt spricht ebenfalls gegen die Ausweisung als Industrie- und Gewerbegebiet. Im Bereich Thiel sind in den vergangenen 10 bis 20 Jahren ökologische Ausgleichsflächen in nicht unerheblichem Ausmaß geschaffen worden, die Eingriffe andernorts abmildern sollen. Diese Flächen kommen nun gerade erst langsam zur ökologischen Wirksamkeit, da die Natur ihre Zeit braucht. Welche Idee würde es rechtfertigen, dass genau in diesem Gebiet Industrie- und Gewerbeflächen ausgewiesen werden? Hier würden politische Versprechen der Vergangenheit ad absurdum geführt und unser aller Verständnis von Nachhaltigkeit verletzt, was den Bürgern und Wählern gerade in Zeiten größerer ökologischer Sensibilität schlecht zu vermitteln sein dürfte.
Wir freuen uns auf einen offenen Dialog zur Gestaltung unserer Lebensräume.
Mit freundlichen Grüßen
Die Anwohner der Ostbarthauser Straße, der Thielheide, der Oldendorfer Straße und der Osnabrücker Straße in 33829 Borgholzhausen sowie die Initiative MITbürger Borgholzhausen-Bahnhof