Nun ist so weit: Nach monatelanger Sperrung ist der Bahnübergang in Bödinghausen wieder für den Verkehr freigegeben. Damit steht die gerade erst eingeführte Verkehrsberuhigungsmaßnahme in der Oldendorfer Straße vor ihrer ersten echten Bewährungsprobe.
Das Bödinghausener ‚Bahnloch‘: Vom Stolperstein zur Schnellstraße?
Um den Bahnübergang in Bödinghausen gab es insbesondere in 2012 heiße Diskussionen im Borgholzhausener Stadtrat, die man noch heute im hervorragenden Archiv der Initiative Haller Wilhelm nachvollziehen kann. Nicht nur unser Bürgermeister sah damals als einzige denkbare Sicherung des Bahnübergangs eine massive Brücke, die sich als grober Fremdkörper in die hier noch unverbaute Landschaft gedrängt hätte. Dies wurde zum Glück durch die Anwohner mit Unterstützung eines Teils der Borgholzhausener Politik verhindert.
Angeheizt durch die Diskussion damals noch durch den ersten Unfall an diesem Bahnübergang, den es dort seit Menschengedenken gegeben hatte (und der zum Glück glimpflich ausging). Im Ergebnis wurde dann ein höhengleicher Ausbau des Bahnübergangs durchgeführt. Die Veränderung ist hier im Vergleich von Bildern von 2011 bis 2015 gut zu sehen:




Das Endergebnis überrascht mit seiner Wuchtigkeit: Gewaltige Betonteile, sinnlos erscheinende Leitplanken rechts und links, die höchstens ackernde Bauern vor dem ‚Absturz‘ bewahren können, und eine Ampelanlage, die so hoch ist, dass man sie bereits auf hunderten von Metern Entfernung sehen kann. Eigentlich optimal für die Raser, die den ewigen Stau am Bahnhof umgehen wollen:
- Die offiziell erlaubte Geschwindigkeit ist von 10 auf 50 km/h erhöht worden
- Die sehr flachen Rampen und die ebenerdige Querung der Gleise machen es leicht möglich ohne Verringerung der Geschwindigkeit die Schienen zu queren
- Die weithin sichtbaren Ampeln erlauben das ’sorglose‘ Gasgeben über die ganze Strecke hinweg
- Der Bahnübergang, der früher als Nadelöhr wirksam für eine Entschleunigung des Verkehrs sorgte, ist nun die breiteste Stelle der ganzen Passage, selbst kleine LKW können sich hier problemlos und ohne abzubremsen passieren
Das Einzige, das den überörtlichen Verkehr nun noch etwas abbremsen kann auf unseren kleinen Wegen: Die neue Verkehrsberuhigung auf der Oldendorfer Straße:
Die neue Verkehrsberuhigung der Oldendorfer Straße: Woher sie kam und wie sie funktioniert
Während die Bauarbeiten am Bahnübergang begannen organisierte Jochen Strellmann eine Unterschriftenaktion um Lösungen für die immer belastender werdende Verkehrssituation in der Oldendorfer und Ostbarthauser Straße zu suchen. Dieses Bild zeigt die Übergabe der Liste an den Bürgermeister im letzten August:

In der Folge wurde ein Arbeitskreis eingesetzt, der eine interessante Idee entwickelte: Die Oldendorfer Straße wird aus Richtung B476 für eine kurze Strecke zu einer Einbahnstraße und ist damit gegen den Verkehr, der aus Richtung Autobahn kommend eine Abkürzung sucht, geschützt. Seit einigen Wochen nun kann man das Resultat beobachten:

Auch für uns Anwohner war das eine Umstellung, aber tatsächlich hat sich der Verkehr aus Richtung B476 auf der Oldendorfer Straße zumindest während der Sperrung des Bahnübergangs deutlich reduziert. Man beobachtet allerdings weiterhin einzelne Verkehrsteilnehmer, die die Schilder ignorieren, und vermutlich wird die Polizei in den kommenden Wochen hier Präsenz zeigen müssen, damit die neue Regelung ernstgenommen wird.
Überhaupt keine Wirkung hat die Maßnahme allerdings in Hinsicht auf den Verkehr, der von Halle über die B68 kommend zur Autobahn will. Hier hat sich nichts verändert, nur dass die Ausweichstrecke durch Bödinghausen und Oldendorf nun aus zwei Gründen viel attraktiver geworden ist: Nicht nur ist das Hindernis des Bödinghausener Bahnübergangs verschwunden, durch den jetzt fehlenden Gegenverkehr kann generell die Strecke mit noch höherer Geschwindigkeit befahren werden. Hier wird abzuwarten sein, ob sich die schon mehrfach vorgekommenen Unfälle an der Abzweigung der B68 nach Bödinghausen nun wiederholen.
Nicht nur die Oldendorfer Straße ist vom Ausweichverkehr betroffen!
Eine andere Tendenz konnte man allerdings schon in den letzten Wochen und Monaten beobachten: Durch die Sperrung der Oldendorfer Straße bekommt nun die Ostbarthauser Straße deutlich mehr Verkehr ab als jemals zuvor. Jeder Anlieger, der mit dem Hund geht oder die Kinder zur Schule bringt, kann bestätigen, dass hier morgens und abends auswärtige Kennzeichen dutzendweise vorbeirauschen, sogar wagemutige Fahrer kleiner LKW kann man manchmal beobachten. Das dies ein erwartbares Problem darstellt hatten wir schon bei der Überschriftenübergabe im letzten August mit dieser Graphik gezeigt:

Nun sind wir gespannt, wie sich das Experiment an der Oldendorfer Straße entwickeln wird, und ob es vielleicht eine Vorlage ist zur Entschärfung weiterer Ausweichstrecken.