Schon vor ein paar Tagen – in unserem letzten Leserbrief – hatten wir uns die Frage gestellt, was der Versmolder CDU Mann Wesolowski wohl damit gemeint haben könnte, als er den Begriff der ‚Schicksalsgemeinschaft‘ wählte um die Beziehung zwischen Borgholzhausen und Versmold zu beschreiben. Eigentlich haben wir ja nur einen Zweckverband.
Der Begriff ‚Schicksalsgemeinschaft‘ ist in der Politik irgendwie aus der Mode gekommen, da er – wie die Wikipedia bestätigt – in einer der dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte sehr beliebt war. Und darauf will man sich ja nicht unbedingt berufen. Trotzdem scheint dies der neue Lieblingsbegriff von Herrn Wesolowski zu sein, jedenfalls konnte man ihn in der vergangenen Woche wieder in der lokalen Presse lesen. Aber was ist eigentlich eine Schicksalsgemeinschaft? Wikipedia sagt:
Eine Schicksalsgemeinschaft ist eine Gruppe von Personen, die einem gemeinsamen Schicksal ausgesetzt ist, z. B. einer risikobehafteten oder gefährlichen Situation. Beispiele hierfür sind Schiffbrüchige, Geiseln oder in einem Bergwerk eingeschlossene Personen.
Der entscheidende Punkt ist also die gemeinsame Gefahr, in der man sich befindet. Und da Herr Wesolowski sicher nicht meint, dass unsere beiden Städte die Geiseln des Zweckverbands sind, oder mit einem finanziell fehlgeschlagenen Bauabschnitt II schiffbrüchig wurden (was auch stimmen würde), geht es offenbar um etwas anderes:
Borgholzhausen ist nicht in Gefahr
Bei der Frage der Industriegebiete bzw. ihrer ständigen Erweiterung geht es immer nur ums Geld. Also hat die Gefahr, in der sich Borgholzhausen und Versmold demnach gemeinsam befinden müssen, offenbar etwas mit der Angst vor ausbleibenden Gewerbesteuereinnahmen zu tun. Das es in Versmold schlecht steht, das kann man zur Zeit oft hören. Versmold ist also in Gefahr. Aber Borgholzhausen?

Wir haben uns den ‚Strukturbericht 2014 für den Kreis Gütersloh‘ von pro Wirtschaft GT vorgenommen und einmal in die Daten geschaut (den Text kann man hier als PDF abrufen). Die Graphik zeigt die Angaben, die man dort für Borgholzhausen und Versmold in Bezug auf die Gewerbesteuereinnahmen pro Einwohner finden kann. Wir haben die Daten hier so dargestellt, dass die Entwicklung für unsere beiden Städte seit dem Jahr 2004 erkennbar wird. Bei Versmold geht der Trend wie erwartet nach unten.
Aber Borgholzhausen hat – trotz einiger Schwankungen – eine offensichtlich positive Entwicklung hinter sich. Und wenn man noch das hier fehlende Jahr 2014 dazu nimmt, in dem wieder gute Einnahmen erzielt wurden, ist der Trend unverkennbar: Borgholzhausen geht es gut. Oder anders gesagt: Borgholzhausen ist nicht in Gefahr.
Und damit wird klar, was man in der Versmolder Lokalpolitik eigentlich meint, wenn man von Schicksalsgemeinschaften spricht:
Borgholzhausen ist nicht mehr der Juniorpartner
Der Ton, den man früher z. B. in den Versammlungen des Zweckverbands wahrnehmen konnte, war der einer gewissen Herablassung von Versmolder Seite. Es hieß das ‚kleine‘ Borgholzhausen solle glücklich sein so ein tolles Industriegebiet bekommen zu haben und dazu auch gleich noch einen Versmolder Großbetrieb. Das dafür die Belastungen komplett in Borgholzhausen landeten sei nur fair und der Borgholzhausener Rat solle gefälligst seine renitenten Bürger in den Griff bekommen, damit es immer so weitergehen könne.
Das ist anscheinend vorbei. Borgholzhausen geht es gut und soll nun der Retter des kränkelnden Nachbarn sein.
Aber kann, soll und muss Borgholzhausen der Retter Versmolds sein? Nein. Denn es gibt schon eine Art ‚Schicksalsgemeinschaft‘ in finanziellen Dingen, in der sich Borgholzhausen und Versmold befinden. Und Halle. Und Werther. Sie nennt sich Kreis Gütersloh und sie sorgt schon für eine große Geldverteilung zwischen den wohlhabenderen und den weniger wohlhabenden Gemeinden.
Borgholzhausen wird seine vertraglichen Pflichten im existierenden Zweckverband erfüllen. Für alles andere sind wir nicht zuständig.